Vortrag: Prof. Dr. Soichiro Itoda, Nietzsches "Studien über den Stil"Veranstalter: Professur für NdL/Prof. Dr. Iris Hermann Mittwoch, 29.10.2025: 10:00 - 12:00 Uhr; U5/00.24Wie Nietzsches Versuch, Vers und Prosa wieder in einen agonistischen Wettbewerb zu bringen und neue Wege zur Schaffung von Schreibstilen zu eröffnen, ist der Schlüssel zum Verständnis von Nietzsches „Studien über den Stil“. Zunächst werden Nietzsches Begriffe, wie Tapferkeit, Wagemut und Gefahr, mit denen er seine Leser anspricht, analysiert. Um zu untersuchen, wie diese Begriffe mit den Diskursen über den Schreibstil zusammenhängen, greife ich auf Nietzsches philologische Studie zu Platons „Politeia“ zurück. Nietzsche stellt nicht die Frage, ob Verse oder Prosa überlegen sind, sondern betont den kreativen Akt in der Spannung zwischen beiden. In diesem Zusammenhang kritisiert Nietzsche „schopenhauerische und kantische Formeln“ und wirft auch einen kritischen Blick auf das, was er als romantisches „lyrisches Gefühl“ bezeichnet. Der Stil ist nicht nur auf der Seite des Schriftstellers zu betrachten, sondern es muss gleichzeitig davon ausgegangen werden, dass „es Ohren gibt, die hören“. Nietzsche betont die dynamische Beziehung zwischen Schriftsteller und Leser und kommt zu dem Schluss, dass beide den „Mut” oder die „Kühnheit” aufbringen müssen, den schmalen, gefährlichen Weg zu gehen, da darauf zu achten ist, nicht zu weit zu einer der beiden Seiten zwischen Vers und Prosa abzurutschen.
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