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  Philosophie und Literatur

Dozent/in
Dr. Wolfram Bergande

Angaben
Seminar
Präsenz

Zeit und Ort: Einzeltermin am 22.10.2021, Einzeltermin am 29.10.2021 14:00 - 18:30, U2/00.25; Einzeltermin am 12.11.2021, Einzeltermin am 26.11.2021 14:00 - 18:30, U5/01.22; Einzeltermin am 17.12.2021 14:00 - 18:30, U2/00.25; Einzeltermin am 14.1.2022 14:00 - 18:30, U5/02.22

Voraussetzungen / Organisatorisches
Studium Generale, Gasthörerverzeichnis, Exportmodule; BA Philosophie: Basismodul 2, 3, Aufbaumodul 1+2, Vertiefungsmodul 1+2; LA Gym: Basismodul 2, 3, Vertiefungsmodul LA 4; LA GS/HS/RS: Basismodul 2, 3; MA-Philosophie: Kernmodul 1+2; Freie Spezialisierung Schwerpunkt Praktische Philosophie 1+2; EWS-Module 1+2.

Inhalt
Seit es Philosophie gibt führt sie einen nicht enden wollenden Abgrenzungskampf gegen Diskurse, die ihr ähnlich oder sogar verwandt aber eben nicht wissenschaftlich sind.

So wendet sich Platons Sokrates dialektisch gegen Rhapsoden, Sophisten, Mythologen, Redenschreiber und Tragödiendichter; René Descartes sichert die neuzeitliche Wissenschaft gegen den Wahn und die Eingebungen eines denkbaren böswilligen Genies; Immanuel Kant denunziert die ‚Geisterseher‘ seiner Zeit, Karl Marx die Ideologen jeglicher Couleur; Edmund Husserl arbeitet sich am Psychologismus ab und Theodor W. Adorno an der Astrologie und anderen Arten der Kulturindustrie.

Raimund Popper prangert die aus der Philosophie selbst stammenden ‚Geschlossenen Gesellschaften‘ an genauso wie der Logische Empirismus des Wiener Kreises die Metaphysik (nicht nur) der Phänomenologen; und die anglo-amerikanisch geprägte Sprachanalytische Philosophie attackiert in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert fast alles, was nicht auf (tauto-)logische Symbolsysteme zurückgeführt werden kann, das heißt zuletzt auch: sich selbst.

Heute geht dieser Kampf, der häufig ein Nahkampf (infight) gegen unheimliche Doppelgänger ist, weiter: gegen Fake News, Verschwörungstheorien, Alltagsmythen und andere, auch praktische Formen ‚innerweltlicher Transzendenz‘ (M. Weber) wie etwa Achtsamkeitstrainings, wokeness, Mantik (z.B. Feng Shui), ‚Vergebungsmeditation‘, religiöse Neo-Exorzismen und sonstiges weltanschauliches Sektierertum, jedenfalls sofern diese nicht im weitesten Sinne zur Kunstwelt (art world) gerechnet werden können.

Mit anderen Worten: Seit ihren Ursprüngen in der griechischen Antike steht die Philosophie als wissenschaftlicher Diskurs, und zwar schon durch die Fachterminologie, die sie benutzt, aber auch aufgrund ihres Abstraktionsniveaus und ihrer Empirie-Ferne, mit mindestens einem Bein in nicht-wissenschaftlichen (literarischen, theologischen oder mythischen) Diskursen; dadurch ist sie an ihren Rändern, manche würden sagen: in ihrem Kern, an ihrem Nabel, ausgefranst hin zu einem Hintergrund bzw. Abgrund an naturwüchsig Imaginärem (Traum, Psychose, Wahn) und ästhetisch Fiktivem (Kunst, z.B. Literatur) bzw. Illusionärem (Religion, Esoterik, Weltanschauungen, Ideologie).

Vor diesem Hintergrund sind eine schwache (1) und eine starke (2) These möglich, und das Seminar wird beiden nachgehen: (1) Die schwache These behauptet, dass Philosophie als wissenschaftlicher Diskurs nur im selbst-kritischen Durchgang durch die Auseinandersetzung mit den oben genannten nicht-wissenschaftlichen Diskursen zu dem wird, was sie ist. (2) Die starke These würde darüber hinaus behaupten, dass sich die Philosophie niemals ganz lösen kann von ihren sozusagen Gegen- oder Nebendiskursen und daher dauerhaft, das heißt wesentlich der Gefahr ausgesetzt ist, durch diese kompromittiert und damit mindestens teilweise oder sogar komplett unwissenschaftlich zu sein.

Im Block-Seminar lesen und diskutieren wir zusammen ausgewählte philosophische und literaturwissenschaftliche Theorien oder Theoreme zu solchen Gegen- oder Neben-Diskursen, insbesondere zur Literatur und zur Abgrenzung von bzw. Verbindung zwischen Literatur und Philosophie, unter anderem:

Empfohlene Literatur
G. Deleuze: Was ist Philosophie?
G. Deleuze/F. Guattari: Kafka. Für eine kleine Literatur
J. Lacan: „Das Seminar über den ‚Entwendeten Brief‘ (E.A. Poe)“
R. Barthes: Sade, Fourier, Loyola
Th. W. Adorno: Jargon der Eigentlichkeit; Noten zur Literatur
N. Frye: Anatomy of Criticism
C. Lévi-Strauss: „Die Struktur der Mythen“
J. Derrida: „Die weiße Mythologie. Die Metapher im philosophischen Text“
J. Kristeva: Powers of Horror
F. Nietzsche: „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn“

Englischsprachige Informationen:
Title:
Philosophy and literature

Institution: Lehrstuhl für Philosophie II

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