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  Versuch einer (kritischen) Theorie der Liebe

Dozent/in
Manuel Gebhardt

Angaben
Proseminar/Hauptseminar
Online/Präsenz
2 SWS, teils online/teils Präsenz
Zeit und Ort: Do 16:00 - 18:00; Einzeltermin am 30.1.2021 10:00 - 16:00, U2/00.25

Voraussetzungen / Organisatorisches
Modulzuordnung; Exportmodule; BA Philosophie: Basismodul 2, 3 und 4, Aufbaumodul 1+2, Vertiefungsmodul 1+2; LA Gym: Basismodul 2, 3 und 4, Vertiefungsmodul LA 4; LA GS/HS/RS: Basismodul 2, 3 und 4; MA-Philosophie: Kernmodul 1+2; Freie Spezialisierung 1+2; EWS-Module 1+2: EWS Studierende haben die Wahl, entweder ein Essay zu schreiben oder ein pädagogisch reflektiertes Portfolio für eine Unterrichtseinheit zum Thema zu erstellen.
Am Seminar könnt Ihr teilnehmen via:
https://uni-bamberg.zoom.us ; Meeting ID: 932 9056 8726 ; Passcode: Philia123#
bzw. https://uni-bamberg.zoom.us/j/93290568726 ; Passcode: Philia123#

Inhalt
Wir alle spüren, wenn wir lieben. Wenn wir verliebt sind. Wenn wir liebe-voll (im Wortsinne) uns einem Gegenüber verhalten. Aber begreifen wir, was wir spüren? Was spüren wir eigentlich? Lässt „es“ sich überhaupt begreifen? Religionen bieten uns traditionell – Lessings Ringparabel ist ein schönes Beispiel dafür – eine Grundidee, was „lieben“ bedeuten könnte: liebe-voll sein und dadurch liebens-wert werden. Aber ist das alles? Die Dimension erotischer oder freundschaftlicher Liebe scheint das nun gerade nicht abzudecken. Und vielleicht doch einen wesentlichen Aspekt?

Wenn wir für eine (kritische) Theorie der Liebe uns interessieren – und uns fragen, was die Theorie für die Praxis bedeuten kann/könnte/sollte (?) – dann widmen wir uns am besten, neben der Praxis, der Reflexion und dem Hinterfragen: Was ist das eigentlich – Liebe? Und unsere Methode, unser Weg wird sein, theoretische, aber auch praktisch orientiertere Fragestellungen ihrerseits zu befragen. Ist Liebe „Begehren?“ Ist Liebe „Wollen“? Und schon grüßen uns Platon und Augustinus.

„Ich will Dich!
  • Warum und was?
Dich haben!
  • Warum?
Mit Dir sein!
  • Warum?
Ich sehe Dich, wie ich sonst niemanden sehe – als Gegenüber, als Du.“

Doch die alten weißen Herren sollen in der Hinsicht nicht zwangsläufig das Wort führen.
Wir werden uns zahlreichen philosophischen Theorien widmen, für die das Lieben und die Liebe eine fundamentale, grundlegende Rolle für unser Dasein spielt.
Wir beginnen zunächst mit Auszügen aus Platons „Phaidros“ und dem „Symposion“, die der Frage nachgehen, was die Liebe ist – aber auch, wie Liebe und (innere/äußere) Schönheit miteinander verbandelt sein könnten. In einem zweiten Schritt besuchen wir Aristoteles „Nikomachische Ethik“, und befragen vor allem die „Philia“, die „freundschaftliche“ Liebe, sowie Plotin, einen alten Platoniker in seinen „Enneaden“ zum Zusammenhang vom Guten, Wahren, Schönen und der Liebe. Ein eher „traditioneller“ Einstieg also. Ein bisschen aufgepeppt mit Hannah Arendts Dissertation über den „Liebesbegriff bei Augustinus“.

Weiter geht es dann mit mittelhochdeutschem Minnesang – Wolfram von Eschenbach und sein „Tristan“ (in Auszügen, wie alle genannten Werke), sowie Meister Eckhart in seinem „Traktat zur Abgeschiedenheit“ werden uns, zusammen mit Hermann Hesses „Siddhartha“ einen Einblick aus einer eher mystisch-literarischen Perspektive ermöglichen.

Sie haben bisher noch nicht von Jakob Böhme, dem Inspirationsquell für den Deutschen Idealismus und die Romantik, gehört: ein Podcast und einige Schriften werden Ihnen auf die Sprünge helfen!
Und schließlich, der „gute alte“ Schiller: „Das Lied von der Glocke“ kennen Sie vielleicht, und so manch anderes Gedicht, das Ihnen in der Studierstube (Un)Gemach zu bereiten vermochte. Aber wie sieht es aus mit den „Philosophischen Briefen“, in denen der stürmend-drängende Schiller eine Theosophie (i.e. in diesem Falle: eine Liebesphilosophie) zu entwerfen sich wagt? Und wie ist es um Ihre Lektüre der kant-kritischen Schrift „Über Anmut und Würde“ bestellt, die zusammen gelesen mit der „Ästhetischen Erziehung des Menschen“ eine liebesphilosophische Einheit bilden. Zumindest auf den zweiten Blick.
Und dieser Blick ist auch Fichte zu eigen, der Schiller in seiner „Anweisung zum seligen Leben“ zitiert, in der die „Bestimmung des Menschen“ sieht in einem Dasein, das der Liebe (aber was heißt das jetzt eigentlich genau?!) verschrieben ist. Wenn Fichte schon das Wort hat, hat natürlich auch Hegel etwas zu sagen… und Schelling… und Novalis („Blüthenstaub-Fragmente“). Und dann dämmert auch schon die Moderne!

Mit Simmel („Über die Liebe“) und besonders Martin Buber („Ich und Du“) werden wir nachverfolgen, wie die bisher untersuchten Liebes-Bilder sich unterschiedlich wiederfinden. Simmel, der Soziologe. Buber, der Mystiker, der auch das Gegenüber, die Liebe zum Du, in einem Baum zu finden vermag.

Aber was wäre eine (kritische) Theorie der Liebe ohne die Gründe und Folgen derselben: Während Freud uns mit „Über das Unbehagen in der Kultur“ kritisch stimmen wird, wird Marcuse in „Eros und Zivilisation“ eine dezidierte Antwort parat haben auf Freud, in seiner „Ästhetischen Dimension“.
Und dann gibt es ja immer noch Erich Fromm, der in der „Kunst des Liebens“ und in „Haben oder Sein“ spannende, aus dem psychoanalytischen Alltag eines Idealisten stammende Einsichten teilt. Zum Abschluss wollen wir uns zeitgenössischeren Ansätzen widmen, indem wir mit Iris Murdochs „Acastos“ zurück kehren zu Platon oder nach Frankreich blicken mit Jean-Luc Nancy, der sich in seinem gesamten Œuvre, besonders aber in seinem Spätwerk der Frage nach dem Sinn des Daseins stellt, und wie der verbunden sein könnte mit der Liebe. Und dann ist da, ganz aktuell, auch Eva Illuz, mit ihren soziologischen Analysen zur Liebe im hier und jetzt.

Soweit zum Seminar.
Zur Beruhigung sei betont: wir werden stets nur Ausschnitte lesen, andiskutieren – und uns von ihnen in unserem eigenen (weiter-)Denken zum Fällen unserer eigenen Urteile anleiten lassen.
Als Abschlusssitzung ist ein kleines Sympsion für Interessierte (i.e. nicht nur Seminarteilnehmer/Innen) geplant: eine Key-Note von Professor Nancy, Impulsvorträge mit Tagungscharakter für Freiwillige und anschließende Podiumsdiskussion inklusive.

Textgrundlage für alle Interessierten am Symposion ist Nora Krefts wunderbares Büchlein „Was ist Liebe, Sokrates?“

Der Seminarplan ist offen für Änderungsvorschläge durch die Teilnehmer/Innen.

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