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Der Bamberger Dom: Geschichte der Architektur und Skulptur bis um 1230

Der Bamberger Dom ist in seiner Baugeschichte und in der relativen Chronologie der Bauabfolge recht gut erforscht. Dennoch hat sich gerade in jüngster Zeit herausgestellt, daß einige Fragen noch der Klärung bedürfen. Vor allem ist der Kenntnisstand zum Dom höchst unterschiedlich: Während die Baugeschichte von etwa 1225 (Fürstenportal) bis zur Schlußweihe 1237 relativ gut bekannt ist und zuletzt durch die Forschungen von Manfred Schuller endgültig geklärt werden konnte, muß die Frage nach der Chronologie der östlichen Bauteile neu durchdacht werden. Der bisher vermutete Baubeginn um 1215 und die direkte Verbindung des Domneubaus mit dem Bamberger Bischof Ekbert von Andechs-Meranien halten einer näheren Überprüfung nicht stand. Bauherr wie Eigentümer einer Kathedrale war nicht der Bischof, sondern das Domkapitel. Die vielen nachweisbaren Planänderungen während des Baus, die auf konträr gegeneinander stehende Konzepte zurückzuführen sind, weisen zudem nicht auf eine einzelne Bauherrenpersönlichkeit hin, sondern eher auf ein Kollektiv mit wechselnden Mehrheiten wie ein Domkapitel. Außerdem muß nach der dendrochronologisch nachgewiesenen Umdatierung des Wormser Domes die Geschichte der spätromanischen Architektur in Deutschland neu durchdacht werden. Schließlich stellte sich heraus, daß der Dom von Worms nicht zwischen etwa 1170 und 1220/30 entstanden ist, wie die Forschung bisher annahm, sondern bereits um 1120/30 begonnen wurde und mit dem überlieferten Datum einer Weihe von 1181 wahrscheinlich fertig war. Da die Bauformen der Westteile in Worms mit denen der Bamberger Ostteile deutliche Zusammenhänge aufweisen, ergeben sich auch für Bamberg neue Datierungsmöglichkeiten.

In der Konsequenz wird es erforderlich sein, die östlichen Bauteile des Bamberger Domes auf die Frage ihrer möglichen zeitlichen Einordnung und ihrer baulichen Abfolge hin zu untersuchen. Ebenso muß man sich intensiv mit der Bauplastik der sog. "älteren" und der "jüngeren" Werkstatt auseinandersetzen, vor allem mit ihren Stilformen, den nachzuweisenden formalen wie technischen Unterschieden, der möglichen Zuweisung an eine oder mehrere stilprägende Bildhauerpersönlichkeiten und die im Vergleich mit stilistisch verwandten Werken außerhalb des Domes denkbaren Datierungsvorschläge. Die gründliche Analyse der Architektur und der Bauplastik bedarf der ständigen interdisziplinären Abgleichung mit den Ergebnissen der Bauforschung, die Manfred Schuller in einem parallel laufenden Forschungsprojekt durchführt. Aus dem Vergleich der Ergebnisse zur Bauabfolge, zu Zäsuren wie Planänderungen und zum ursprünglichen Erscheinungsbild der Architektur mit dem kunsthistorisch erarbeiteten Kenntnisstand erhoffen wir eine weitgehend stringente Klärung der oben skizzierten Forschungsdefizite.

Zudem muß den bisher vernachlässigten Fragen zu der ikonologischen Bedeutung des Domneubaus nachgegangen werden. Zu erinnern ist etwa daran, daß bald nach dem Brand 1185 zwei spektakuläre Heiligsprechungen stattfanden: die des hl. Bischofs Otto von Bamberg (1189) und - von ganz besonderer Bedeutung - die der hl. Kunigunde (1200). Die Tatsachen, daß im Scheitel des neuen Bamberger Ostchors ein Kunigundenaltar stand, daß man in einem Wandschrank dahinter, der nach außen durch ein Rundfenster markiert ist, die goldene Reliquienbüste der hl. Kunigunde aufbewahrte und daß der Dom noch im 16. Jahrhundert als "St. Kunigundens Werk" bezeichnet wurde, müssen bei der Analyse des Baus gebührend berücksichtigt werden. Die enge Verbindung romanischer Sakralarchitektur mit dem Heiligenkult werden wohl wesentliche Erkenntnisse zur Verbindung von Baugestalt, Funktion, Geschichte und Liturgie bringen.

Darüber hinaus können weitere, noch ungeklärte Fragestellungen aufgezeigt werden, denen im Rahmen von Dissertationen unter der Betreuung des Projektleiters bzw. Manfred Schullers nachgegangen wurde. So konnten vom Gerüst aus die im Dominneren befindlichen Skulpturen der sog. "jüngeren" Bildhauerwerkstatt untersucht werden. Bei Manfred Schuller promoviert die Bauforscherin Maren Zerbes, die alle technischen Befunde zu den ursprünglichen Standorten, zu den verwendeten Bildhauer- und Versatztechniken, zu den Baldachinen, den Bearbeitungsspuren und Veränderungen aus späterer Zeit sammelt, um hier zu konkreteren Ergebnissen zu kommen. Parallel dazu entsteht eine weitere Dissertation, in der den Spuren der farbigen Fassungen auf diesen Skulpturen nachgegangen wird. Auch wenn im 19. Jahrhundert die farbigen Bemalungen entfernt wurden, blieben an unzugänglichen Stellen Farbpartikel erhalten, die bei systematischer Erfassung unter dem Technoskop und damit verbundener naturwissenschaftlicher Analyse aber doch erstaunliche Schlüsse zulassen. Der Kunsthistoriker und Restaurator Walter Hartleitner hat dieses von mir betreute Dissertationsthema übernommen, dessen Ergebnisse unser Bild von der "jüngeren" Bildhauerwerkstatt des Doms entscheidend korrigieren werden. Die Arbeit ist mittlerweile abgeschlossen.

Zusammenfassende Ergebnisse der oben genannten, von Manfred Schuller und mir bearbeiteten Fragestellungen konnten 2003 in einem Sonderheft der Zeitschrift "das münster" publiziert werden, ebenso wie zwei Aufsätze zu den Dissertationsprojekten von Maren Zerbes und Walter Hartleitner. In einem ausführlichen Beitrag zur "jüngeren" Bildhauerwerkstatt des Bamberger Doms habe ich jüngst versucht, den zahlreichen Fragen und Problemen bei der Erforschung dieser berühmten Skulpturen systematisch nachzugehen.

Als weiterer Schwerpunkt, welcher der Aufarbeitung bedarf, muß die Restaurierungsgeschichte des Bamberger Doms genannt werden. Zahllose Maßnahmen haben seit der Säkularisation den Innenraum verändert und umgestaltet. Am Außenbau müssen ständig Wartungs- und Reparaturmaßnahmen durchgeführt werden. Die Fülle aller Maßnahmen steht häufig in umgekehrtem Verhältnis zur Sorgfalt der wissenschaftlichen Begleitung und Dokumentation. In einer jüngst abgeschlossenen, von mir betreuten Dissertation hat Christine Hans-Schuller die Restaurationsphase von 1826 - 1831 herausgegriffen, die unter der Leitung Friedrich Karl Rupprechts stand, und umfassend gewürdigt. Die weitere - in ähnlicher Sorgfalt bearbeitete - Restaurierungsgeschichte des Bamberger Doms im 19. und 20. Jahrhundert gehört zu den Desideraten, die für das Ziel einer umfassenden Kenntnis dieses monumentalen Baudenkmals noch geleistet werden müssen.
Projektleitung:
Prof. Dr. Achim Hubel

Beteiligte:
Schuller, Manfred

Beginn: 1.1.1997

Förderer:
Universität Bamberg

Publikationen
Hubel, Achim: Die beiden Restaurationen des Bamberger Domes. Zur Geschichte der Denkmalpflege im frühen 19. Jahrhundert. . In: 121. Bericht des Historischen Vereins Bamberg (1985), S. 45-90
Hubel, Achim: Überlegungen zur Datierung der Ostteile des Bamberger Domes . In: Struck, Olaf (Hrsg.) : Internationale Tagung der Dombaumeister, Münsterbaumeister und Hüttenmeister Bamberg 1996 - Dokumentation (Internationale Tagung der Dombaumeister, Münsterbaumeister und Hüttenmeister Bamberg 10.-14.09.1996). Bamberg : Staatliches Hochbauamt Bamberg, 1997, S. 39-52.
Hubel, Achim: Die Chorschrankenreliefs im Georgenchor des Bamberger Doms . In: Göller, Luitgar (Hrsg.) : Ausstellungskatalog "Hans Loew - Ode an Bamberg. Entwürfe - Druckstöcke - Drucke". Bamberg : Druckerei und Verlag K. Urlaub GmbH, 1998, (Veröffentlichungen des Erzbischöflichen Ordinariats Bamberg, Hauptabteilung Kunst und Kultur Bd. 5), S. 7-27. - ISBN 3-9804772-7-4
Hubel, Achim: Reliquienschränke in Kirchenräumen des 13. Jahrhunderts. Überlegungen zu Funktion und Typus . In: Wozniak, Michal (Hrsg.) : Architectura et historia. Studia Mariano Arszynski septuagenario dedicata. Torun : Zaklad Poligraficzno-Wydawniczy POZKAL, 1999, S. 37-61. - ISBN 83-231-1100-6
Hans-Schuller, Christine: Der Bamberger Dom. Seine >Restauration< unter König Ludwig I. von Bayern (1826-31) . Petersberg : Michael Imhof Verlag, 2000. - 224 Seiten. ISBN 3-932526-69-4
Hubel, Achim: Katalogbeiträge über Bamberg, Ják und Alba Julia (Gyulafehérvár) . In: Jahn, Wolfgang ; Lankes, Christian ; Petz, Wolfgang ; Brockhoff, Evamaria (Hrsg.) : Bayern - Ungarn Tausend Jahre. Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2001, Oberhausmuseum Passau. Augsburg : Haus der Bayerischen Geschichte, 2001, S. 137-141. - ISBN 3-927233-78-1
Hubel, Achim: Überlegungen zum Bamberger Dom. Studien zur Bau- und Restaurierungsgeschichte sowie zu den Skulpturen . In: Forschungsforum. Berichte aus der Otto-Friedrich-Universität Bamberg (2001), Nr. 10, S. 74-79
Hubel, Achim ; Schuller, Manfred: Abteilungstext und Katalogbeiträge zum Bamberger Dom als Erinnerungsort . In: Kirmeier, Josef ; N. N. ; Weinfurter, Stefan ; Brockhoff, Evamaria (Hrsg.) : Kaiser Heinrich II. (1002 - 1024). Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2002 in Bamberg. Augsburg : Haus der Bayerischen Geschichte, 2002, S. 388-408.
Hubel, Achim ; Schuller, Manfred: Überlegungen zur frühen Baugeschichte des Bamberger Doms . In: das münster - Zeitschrift für christliche Kunst und Kunstwissenschaft 56 (2003), Nr. 5: Sonderheft Bamberger Dom, S. 310-325
Hubel, Achim: Die ältere Bildhauerwerkstatt des Bamberger Doms . In: das münster - Zeitschrift für christliche Kunst und Kunstwissenschaft 56 (2003), Nr. 5: Sonderheft Bamberger Dom, S. 326-346
Hubel, Achim: Die jüngere Bildhauerwerkstatt des Bamberger Doms. Überlegungen zur Erzählform und zur Deutung der Skulpturen . In: Gasser, Stephan ; Freigang, Christian ; Boerner, Bruno (Hrsg.) : Architektur und Monumentalskulptur des 12.-14. Jahrhunderts. Produktion und Rezeption, Festschrift für Peter Kurmann zum 65. Geburtstag. - Architecture et sculpture monumentale du 12e au 14e siècle. Production et réception, Mélanges offerts à Peter Kurmann à l'occasion de son soixante-cinquième anniversaire. Bern : Peter Lang, 2006, S. 475-528. - ISBN 3-03910-679-1
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